21. Januar – 4. Mai 2014

Ort: Kunsthaus Dresden

Ausstellung

Wurzellose Kosmopoliten – Comics zu jüdischen Identitäten in Europa, USA und Israel

Im Rahmen von Vot ken you mach? hat Jonas Engelmann, freier Autor und Comicexperte in Wiesbaden, eine Ausstellung unter dem Titel Wurzellose Kosmopoliten. Comics zu jüdischen Identitäten in Europa, USA und Israel zusammengestellt, die ab dem 22. Januar im Foyer des Kunsthaus Dresden zu sehen ist. Die Lounge umfasst dreißig Bände verschiedener Autor/innen aus Europa, den USA und Israel, die Gestaltung erfolgte in Zusammenarbeit mit WILDSMILE-Studios Dresden. Die Comic-Legende Will Eisner hat in einer Rede einmal bemerkt, er sei zum Comiczeichnen gekommen, da jüdische Immigranten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Amerika nur wenige Möglichkeiten hatten, in anderen künstlerischen Bereichen unterzukommen. Und tatsächlich ist der Comic in Amerika wie kaum ein anderes Medium von Beginn an stark durch jüdische Immigranten geprägt worden, die an der amerikanischen Ostküste ansässig waren. Bereits in den Comics früher Zeichner wie Milt Gross finden sich Reflexionen zur Immigrationssituation der jüdischen Bevölkerung Amerikas wieder, ihrer Versuche, sich in die amerikanische Gesellschaft zu integrieren.

Aspekte dieser frühen Verbindung jüdischer Identität in der Neuen Welt mit dem Medium Comic lassen sich auch in der Gegenwart entdecken; die von Jonas Engelmann kuratierte Comic-Ausstellung Wurzellose Kosmopoliten. Comics zu jüdischen Identitäten in Europa, USA und Israel bildet diesen Zusammenhang mit Arbeiten zu jüdischen (Migrations-)Spuren in Amerika ab: Graphic Novels von Künstler_innen wie Leela Corman, James Sturm oder Will Eisner lassen hier die die Zerrissenheit jüdischen Lebens zwischen der Erinnerung ans osteuropäische Schtetl und der Realität der Neuen Welt sichtbar werden. Insbesondere Will Eisner hat in seinen Arbeiten über New York aus einer jüdischen Perspektive Schlaglichter auf die Lebensumstände der Migranten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geworfen, ebenso wie Ben Katchor einige Jahrzehnte später in The Jew of New York ein fiktives jüdisches New York im 19. Jahrhundert beschreibt.

Auch Figuren und Themen der jüdischen Kulturgeschichte erlebten in den letzten zwanzig Jahren eine Renaissance im Comic; eine Bezugnahme auf jüdische Traditionen im Schatten von Auschwitz. Jüdisches Leben in Europa vor 1933 ist daher ein zweiter Schwerpunkt der Ausstellung. Sei es die jüdische Mystik wie in Dino Battaglias Golem, die jüdische Kulturgeschichte wie in David Zane Mairowitz’ und Robert Crumbs Kafka oder osteuropäisches Alltagsleben wie in James Sturms Markttag und Sammy Harkhams Everything Together: der Blick auf die Vergangenheit vor der Shoah nimmt in Comics der letzten Jahre einen immer größer werdenden Raum ein.

    Comic Lounge ›Wurzellose Kosmopoliten‹, curated by Jonas Engelmann, in Muzeum Współczesne Wrocław. Photo: Małgorzata Kujda
    Comic Lounge ›Wurzellose Kosmopoliten‹, curated by Jonas Engelmann, in Muzeum Współczesne Wrocław. Photo: Małgorzata Kujda
    Comic Lounge Wurzellose Kosmopoliten, curated by Jonas Engelmann, in Muzeum Współczesne Wrocław. Photo: Małgorzata Kujda
    Comic Lounge ›Wurzellose Kosmopoliten‹, curated by Jonas Engelmann, in Muzeum Współczesne Wrocław. Photo: Małgorzata Kujda