13. April 2014

Ort: Kunsthaus

Gespräch

Missing Links

Zu Missing Links, einem Podiumsgespräch zu Kunst, Museumsarbeit und den weißen Flecken auf den Landkarten unserer Erinnerung sind am 13.4. eingeladen: Jutta Fleckenstein (Jüdisches Museum München), Astrid Schmetterling (Goldsmiths College) und Marika Reuterswärd (Konstmuseum Malmö).

Als Rahmenhandlung werden der Film Ellis Island (1981) von Meredith Monk und zum Auftakt des Gespräches der erste Film von Chantal Akerman: Saut ma ville (1968) gezeigt.

Die in London lebende Kunsthistorikerin Astrid Schmetterling (Goldsmiths College) spricht zu Begriffen der Zeugenschaft, Tradierung und Repräsentation von Erinnerung in der Gegenwart, unter anderem in Bezug auf Marianne Hirschs Konzept der ›postmemory‹, das die Beziehung der Kinder der Überlebenden zu den Erinnerungen der Elterngeneration beschreibt. Dabei stellt sie Verbindungen zu den Filmen, den in der Ausstellung Vot ken you mach? gezeigten Arbeiten und der Frage her, wie Kunst ›nach-erinnern‹ kann.

Jutta Fleckenstein ist als Historikerin und Kuratorin des Jüdischen Museums in München spezialisiert auf deutsch-jüdische Geschichte und beleuchtet unter anderem Fragen zu Identität und Migration. Anhand ihres zweiteiligen Ausstellungsprojektes Juden 45/90 skizziert sie die Herausforderung der Frage, wie die Zeit nach der Schoa in einem Museum besprochen werden kann. Im ersten Ausstellungsteil ‚Von da und dort – Überlebende aus Osteuropa’, der sich mit der direkten Nachkriegszeit befasste, standen eine Vielzahl erstmals ausgestellte Alltagsobjekte sowie die Stimmen der Zeitzeugen in den Mittelpunkt. Der zweite Ausstellungsteil ‚Von ganz weit weg – Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion’ zeigte die russisch-jüdisch-deutschen Gegenwart im Museum. Die Protagonisten der Migration nach 1990 von Ost nach West erzählten ihre Geschichte und eröffneten Perspektiven zu Erinnerung, Jüdischsein heute und Heimat.

Marika Reuterswärd, Kuratorin des Konstmuseum Malmö berichtet zu der besonderen Geschichte dieses Museums, das ab April 1945 sechs Monate lang als Auffanglager des Roten Kreuzes für jüdische Männer, Frauen und Kinder diente und so mehr als 2000 Menschen vorübergehend als Zuflucht diente. Die meisten von ihnen kamen aus Polen. Die besondere kulturelle Verpflichtung des Hauses gegenüber einer zeitgenössischen Migrationsgesellschaft, die für Reuterswärd aus diesem Erbe resultiert, ist Teil der Reflexion ihres Vortrages.

Der Film Ellis Island (1981) der Filmemacherin, Choreografin und Avantgardemusikerin Meredith Monk bildet den Auftakt der Veranstaltung: Imaginäre Shtetl-Kulturen auf dem Weg ihres Verlorengehens zwischen den USA und Europa, zeitgenössischer Experimentalfim und Folklore.

Eine weitere Klammer bildet der Film Saut ma ville der belgischen Filmemacherin Chantal Akerman von 1968: Eine einsame junge Frau in einem Hochhaus am Rande der Stadt. Sie kehrt heim. Der Aufzug funktioniert nicht, sie rennt nach oben, bis sie außer Atem ist. Sie kocht, putzt Schuhe, bringt alles in Unordnung, räumt wieder auf. Schließlich verklebt sie die Türen und Fensterritzen und öffnet den Gashahn.