12. Januar – 23. März 2014

Ort: Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde zu Dresden, Hasenberg 1

Ausstellung

DRESDEN 5774

Jüdische Identitäten in Europa heute:

Vier Dresdnerinnen und Dresdner, geboren in der ehemaligen Sowjetunion, erzählen ihre Geschichte. Gezeichnet von der Berliner Comiczeichnerin Elke R. Steiner

Eröffnung: 12. Januar 2014, 17 Uhr

Mit Dresden 5774 eröffnet in der Jüdischen Gemeinde eine Ausstellung von Comicerzählungen der Berliner Comiczeichnerin Elke R. Steiner, die eigens für Vot ken you mach? entstanden sind. Vier Dresdnerinnen und Dresdner, geboren in der ehemaligen Sowjetunion, erzählen ihre Geschichte. Die Comicstrips lassen die unterschiedlichen Persönlichkeiten verschiedener Generationen anschaulich werden, in denen jenseits der Frage nach dem Jüdischsein eine ganze Reihe anderer Faktoren eine Rolle spielen – die Forschungsgebiete einer Sprachwissenschaftlerin, der Umgang einer Musikerin mit Lampenfieber und andere alltägliche Beobachtungen des Lebens in Dresden.

Elke R. Steiner hat die Comiczeichnungen aus den Erzählungen ihrer Gesprächspartner entwickelt und verdichtet. Es sind komprimierte Geschichten geworden, die dennoch größtmögliche Fenster der Wahrnehmung öffnen und die Besonderheiten im Leben ihrer Gesprächspartner, ihr Wissen und das Besondere in ihrem beruflichen Engagement wie auch in ihrem Verhältnis zum Leben zum Tragen kommen lassen. Die Charaktere tragen zum Teil ihre realen Namen, zum Teil neue Namen, wir erfahren nur ihre Vornamen. Ihre Erzählungen berühren das Thema der jüdischen Identitäten in der Weise, wie es in ihrem Leben stattfindet.

Elke R. Steiner ist Comic-Zeichnerin, die sich seit ihrer unter dem Titel Rendsburg Prinzessinstrasse – Die Geschichte einer jüdischen Kleinstadtgemeinde veröffentlichten Erzählung auf jüdische Geschichte spezialisiert hat. 1999/2000 gab ihr ein Stipendium des Jüdischen Museums Rendsburg und des Dr. Bamberger-Hauses die Gelegenheit, im dortigen Gästetatelier an einem Comic zur lokalen jüdischen Geschichte zu arbeiten. Das Ergebnis wurde 2001 bei Edition Panel veröffentlicht und beschreibt in beeindruckender Weise über einen großen Zeitraum die Normalität deutsch-jüdischen Lebens in einer Kleinstadt wie Rendsburg. Weitere Veröffentlichungen von Elke R. Steiner erschienen mit ›Der Busfahrer, der Gott sein wollte‹ nach Kurzgeschichten von Etgar Keret in der ›Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung‹. Das ›Deutschen Ärzteblatt‹ veröffentlichte sowohl ›Doc und Doctrix‹ als auch die viel diskutierten Ärztebiografien, die in Episoden erzählte Lebensgeschichten zweier jüdischer Ärzte in Deutschland, Herbert Lewin und Käte Frankenthal. Außerdem erscheinen regelmäßig neue Kurzgeschichten von Elke R. Steiner im Bremer Comic-Magazin ›Panel‹.

Ihre zweite große Erzählung ›Die anderen Mendelssohns behandelt – seit dem Erscheinen des ersten Bandes im Jahr 2004 – die ›schwarzen Schafe dieser berühmten Familie und beleuchtet die einzelnen Linien des Stammbaums, ausgehend von den sechs Kindern  Moses Mendelssohns: Dorothea von Schlegel (1764-1839), geb. Mendelssohn, gesch. Veit – II. Generation; Arnold Mendelssohn (1817-1854) – III. Generation; Carl Mendelssohn Bartholdy (1838-1897) – IV. Generation; Eleonora (1900-1951) und Francesco (1901-1972) von Mendelssohn – VI. Generation. Der erste Band ›Die anderen Mendelssohns – Dorothea Schlegel, Arnold Mendelssohn ist in Zusammenarbeit mit den Jüdischen Kulturtagen und der Jüdischen Volkshochschule in Berlin im Reprodukt-Verlag erschienen.

Elke R. Steiner lebt und arbeitet in Berlin als Comic-Zeichnerin und Illustratorin.

 

Zu den Gesprächspartner/innen:

  Алина: Galina, in der Ukraine geboren, kam mit dreizehn Jahren nach Deutschland. Nach Schule, Studium und Promotion im Bereich Gestik und Zweisprachigkeit lebt und arbeitet sie derzeit in Manchester.

Юрий: Yurij wurde in der Ukraine geboren und kam 1946 als Kind nach Dresden, wo er mit seinen Eltern für einige Jahre lebte und seit 1995 wieder wohnt. Er ist Ingenieur und war unter anderem bei der Liquidierung des havarierten Kernkraftwerks Tschernobyl beteiligt.

Лариса: Larissa wurde in Russland geboren. Aufgrund jüdischer und deutscher Wurzeln hat ihre Familie während des Stalinismus Verfolgung und sogar Verluste erfahren. Larissa kam als Studentin nach Deutschland und ist Cellistin.

марIя: Die 17jährige Mariya kam mit 8 Jahren aus der Ukraine nach Dresden. Sie besucht eine Schule mit der Fachrichtung Gesundheit und Soziales und engagiert sich in ihrer Freizeit u.a. in der Gemeinde.