Yael Bartana

Das Werk Entartete Kunst lebt, eine 16 mm-Filminstallation der israelischen, in Berlin und Amsterdam lebenden Künstlerin Yael Bartana, erweckt ein zentrales Werk von Otto Dix, das zugleich mit der Dresdner Kunstgeschichte verbunden ist, zu neuem Leben: Seine mittlerweile berühmte Darstellung der Kriegskrüppel (1920) wurde in der ersten Dada-Ausstellung in Berlin gezeigt und ging durch eine Schenkung in die Sammlung des Stadtmuseums Dresden ein. 1933 wurde das Werk in der ersten Ausstellung Entartete Kunst in Dresden als Beispiel der als ‚entartet’ diffamierten Kunst gezeigt, die anschließend auch durch zahlreiche weitere deutsche Städte tourte. Dix hielt ab 1927 eine Professur an der Kunstakademie Dresden inne; 1933 musste er seinen Posten verlassen. Er zog sich zurück in die innere Emigration und wich in seiner Kunst auf vermeintlich harmlose Landschaftsmalerei zurück. Seine Bilder Die Kriegskrüppel (1920) sowie The Trench (1917), die die Gräuel des Ersten Weltkriegs vor Augen führen und denen Bartana die Figuren für ihren Film entnommen hat, wurden von den Nationalsozialisten als entartete Kunst eingestuft und, so die Historie, vernichtet.
Die künstlerische Arbeit ist ein Akt der Wiederherstellung des verschollenen Werkes von Dix wie auch der hier formulierten Kritik an falschen Idealen, Patriotismus, Nationalismus und Heldentum, damals vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges. Die Kriegskrüppel marschieren hier erneut. Statt ausgegrenzt, verstoßen oder vernichtet zu werden, marschieren sie in immer größerer Zahl, mit immer lauteren Schritten auf die Bildfläche und erobern, stellvertretend für die verfemte politische Kunst der zwanziger Jahre, den Anspruch auf aktuelle Bedeutung: Entartete Kunst lebt!
Yael Bartana, die mit ihren Arbeiten in den letzten Jahren international mehrfach Kontroversen um den Umgang mit historischen Utopien und aktuellen politischen Fragen ausgelöst hat, spielt in ihrer Arbeit darauf an, dass sich Kunstgeschichte und gesellschaftliche Entwicklung nicht in abgeschlossene Kapitel verwandeln lassen, sondern auch in der Gegenwart mit den Geistern der Vergangenheit gerechnet werden muss.
Yael Bartana (* 1970, Kfar Yehezkel, Israel) lebt und arbeitet in Tel Aviv , Berlin und Amsterdam.
Yael Bartanas Filminstallation Entartete Kunst Lebt wird als Teil der Ausstellung Vot ken you mach? in Zusammenarbeit mit dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden, in dem von Daniel Libeskind umgestalteten Museumsbau am Olbrichtplatz 2 (Tram 8) gezeigt.

    Entartete Kunst Lebt (Degenerate Art Lives), 2010, Video- and soundinstallation, (16mm, 5 min. Loop) Courtesy Annet Gelink Gallery, Amsterdam
    Yael Bartana: ›Entartete Kunst Lebt (Degenerate Art Lives)‹, 2010, Film- and soundinstallation (16mm, 5 min. Loop) Courtesy Annet Gelink Gallery, Amsterdam. Photo: Nikola Radić Lucati
    Yael Bartana: ›Entartete Kunst Lebt (Degenerate Art Lives)‹, 2010, Film- and soundinstallation (16mm, 5 min. Loop) Courtesy Annet Gelink Gallery, Amsterdam. Photo: Małgorzata Kujda