Shira Wachsmann

Shira Wachsmanns Arbeiten gehen von Naturmaterialien aus, deren Verwendung Menschen seit Urzeiten begleitet. Ton, Zweige, Federn und Kohle rufen Assoziationen in Bezug auf die Universalität menschlicher Bedürfnisse wach, Schutzräume, Versorgung mit Wärme und Nahrungsmitteln, Behausung. Der Kreis taucht als Grundform ihrer Arbeiten der letzten Jahre immer wieder auf, er ist auch der Ausgangspunkt des im Innenhof errichteten Gebäudes aus verkohlten Baumstämmen. Die sich oben verengende und begehbare Struktur, ist als Behausung erkennbar, und dennoch ist sie auch im metaphorischen Sinne ‚verbrannt’, die Wände schließen nicht, das Haus ist nicht nutzbar. Der Kreis als utopische Form in Shira Wachsmanns Arbeiten stammt aus der Betrachtung von Landkarten, in denen Ortschaften oder Städte als Kreis markiert werden. Auch alte israelische Karten von 1953, die Wachsmann in einem Tel Aviver Antiquariat fand, verzeichnen Ortschaften in der Kreisform, oftmals findet sich jedoch gleich neben dem Kreis in Klammern der Eintrag eines alten arabischen Ortsnamen, mit dem Hinweis darauf, dass diese Ortschaft zerstört ist. Die kreisförmigen Kohlearbeiten Shira Wachsmanns stellen der Utopie eines geschlossenen, homogenen Territoriums oder Gemeinschaft die Heterotopie der Zerstörung zur Seite, die dieser Vorstellung vorangeht. Auch das Nest eröffnet archetypische Vorstellungen von Geborgenheit und Schutz, aber auch der Fragilität und ständigen Bedrohung eines solchen Behaustseins.

Without borders lautet der Titel ihrer Videoarbeit, ein Auszug aus ihrem größeren filmischen Projekt 4 Schwestern. Shira Wachsmann filmt ihre Mutter und ihre 3 Schwestern. Sie wuchsen in Deutschland nach dem Krieg auf, betrachteten sich selbst jedoch nicht als Deutsche. Sie sprachen Deutsch als Muttersprache, aber die deutsche Kultur war nicht ihre Kultur. Als sie erwachsen waren, wanderte jede zu verschiedenen Zeiten nach Israel aus, jede mit einem Traum und der Phantasie, die sie von Israel hatten.

Shira Wachsmann (*1984 in Tel Aviv) lebt und arbeitet seit 2006 in Berlin.

    Still from ›Without Borders‹, 2013, Video installation, 16 min., bronze candelabrum
    Shira Wachsmann: ›Without Borders‹, 2013, Videoinstallation, 16 min., Bronzeleuchter und Barak Reiser: ›o.T. (A Graph Without A Photo)‹, 2013. Foto: David Brandt
    Kohle 2006 Charred tree stems, iron construction
    Shira Wachsmann: ›Without Borders‹, 2013, Videoinstallation, 16 min, BronzeleuchterPhoto: Małgorzata Kujda
    Shira Wachsmann: ›Without Borders‹, 2013, Videoinstallation, 16 min, BronzeleuchterPhoto: Małgorzata Kujda