Michaela Melián

Michaela Meliáns Interesse gilt der Politik von Erinnerung und dem Weiterwirken zeitgeschichtlicher Phänomene. Fragen nach der Historizität von Orten, Gedächtnis und Sprache sowie ihnen innewohnenden Momenten von (Re-)Konstruktion und Projektion sind häufige Themen im Werk der Künstlerin und Musikerin. Ihre multimedialen Installationen, die Objekte, Fotografien, Filme, Zeichnungen, Musik und Texte einschließen können, spannen aus einer Vielzahl kulturgeschichtlicher, popkultureller und gesellschaftspolitischer Referenzen ein komplexes Netz an Bedeutungen, Erzählungen und möglichen Lesweisen auf.

Heimweh (Installation mit Diaprojektion und Tonspur, 2012, Gläser, Prismen, Dias, Projektor, Motor, Tonspur)

Auf einem Tisch sind Objekte aus Glas und Kunststoff angeordnet. Dabei handelt es sich um Alltagsgegenstände wie verschiedenste Trinkgläser, Schüsseln, Glühbirnen, Vasen, Verpackungen aus Acryl, CD-Hüllen usw., sowie um eigens für diese Installation gefertigte Prismen, geschliffen zu unterschiedlichen geometrischen Körpern wie Quader, Zylinder und Pyramide. Diese Gegenstände werden von einem Diaprojektor beleuchtet. Die installierten gläsernen Objekte werden in der Projektion zu einer abstrakten Stadtlandschaft. Vor dem Objektiv des Diaprojektors dreht sich auf einem kleinen Motors ein geschliffenes Prisma im Kreis und erzeugt damit eine Art Film entlang der Wände im Raumes, in dem sich die projizierte Stadt permanent in fließender Bewegung verändert. Gleichzeitig wechseln auf der Tischoberfläche zwischen den Glasobjekten farbige Konfigurationen in den Spektralfarben. Der Karussell-Diaprojektor gibt durch den Transport der Dias einen bestimmten Rhythmus vor. Etwa zwei Drittel der Diarahmen sind leer, sie fungieren als reine Lichtquelle für die Beleuchtung der gläsernen Gegenstände und die Projektion der Stadt. Zwischen diese leeren Diarahmen sind Dias mit hochvergrößerten Ausschnitten aus Else Lasker-Schülers zeichnerischem und textlichem Werk geschaltet. Ihr Werk wird so in das langsame Kreisen der Projektion eingespeist und dabei durch die Gläser fragmentiert bzw. gebrochen projiziert. Das dritte Element der Rauminstallation bildet eine Audiospur mit einer Aufnahme des ›Heimweh‹, das Else Lasker-Schüler 1909 in Berlin schrieb. Das Gedicht wird sowohl in deutscher Sprache als auch in phonetischer Aneignung in hebräischer und arabischer Sprache gelesen und ist in eine Komposition eingebettet, die aus Klängen eines Glasharmonium produziert ist.

Musik- und Kunststudium in München und London. 1980 bis 1986 Mitherausgeberin der Künstlerpublikation ›Mode und Verzweiflung‹.

Gastprofessuren an der Akademie der Bildenden Künste in München (1998-1999), an der Hfbk Hamburg (2006-2008) und an der ETH Zürich (2008-2009).

Seit 2010 Professorin im Studienschwerpunkt ›Zeitbezogene Medien‹ an der HfbK Hamburg

Musikerin in der Band F.S.K. (Freiwillige Selbstkontrolle).

 

    Michaela Melián: ›Heimweh‹. Installation with slide projection and audio track, 2012. Photo: Małgorzata Kujda
    Michaela Melián: ›Heimweh‹. Installation with slide projection and audio track, 2012. Photo: Małgorzata Kujda
    Michaela Melián: ›Heimweh‹.Installation with slide projection and audio track, 2012. Photo: Nikola Radić Lucati
    Michaela Melián: Heimweh, 2012, Installation view