Karolina Freino

Kenyan Pyramids
In Zusammenarbeit mit James Muriuki
2011
Vodeo, 2 Leuchtkästen
(DD)

Ich war eine ganze Weile lang der Auffassung, dass meine persönliche Familiengeschichte mir eine fundierte Identität vorenthielt. Ich wuchs auf in einem Status von ´weder noch`. Heutzutage nehme ich es anders wahr: Der Umstand, jüdische Polin zu sein, hat mich dafür sensibilisiert, was es heißt, etwas mein ˈeigenˈ zu nennen, ein Bewußtsein für kulturelle Konstruktionen geschaffen, ihre Stärken einerseits und ihre Konventionalität und Vergänglichkeit anderseits. Jüdisch zu sein, hat mich auf irgendeine Art und Weise davon befreit, mich definieren zu müssen‹. (Karolina Freino)

Karolina Freinos Untersuchungsgegenstand sind mediale wie auch städtische Räume. In ihren Arbeiten setzt sie sich vielfach mit Themen zu Erleben und Erinnerung, Minorität, sowie Repräsentation von Geschichte und Macht auseinander, deren Inhalte sie stets in die Gegenwart überführt. Für die Fassade des Kunsthauses entstand 2013 ihre permanente Arbeit S.OS. (Save our Souls), die aus 9 konvexen Spiegelelementen entwickelt wurde und das 1906 auf der 2. Internationalen Funkkonferenz in Berlin festgelegte Morsesignal drei kurz, drei lang, drei kurz, · · · − − − · · · in eine dreidimensionale Sprache übersetzt. James Muriuki arbeitet zumeist in den Medien experimentelle Fotografie und Video, zu den visuellen Codes urbaner Räume.

Kenyan Pyramids wurde 2011 im Rahmen eines Projektes realisiert, das sich individueller Erinnerung und öffentlichem Gedenken in Nairobi widmete. Die gemeinsam von Karolina Freino und James Muriuki entwickelte Arbeit griff eine auf Märkten häufige Präsentationsform ungeklärten Ursprungs auf, nämlich dass Arrangieren von Waren zu einer Art Pyramide. Die Arbeit auf den Märkten, die wenig Anerkennung erfährt, wird vor allem von Frauen ausgeführt, denen wiederum ebenfalls kaum ein Platz in der Geschichte Kenias eingeräumt wird. Das Ergebnis bestand einerseits aus einem dokumentarisch aufgefassten Video, einem Gespräch mit Penninah, einer Marktverkäuferin, und andererseits aus 32 Kartoffel-Pyramiden im Stadtraum von Nairobi, verteilt entlang der Straße, auf Plätzen, in Parks und in der Nähe von Denkmälern. Die Prekarität der lebendigen Geschichte und die Diskrepanz zwischen eingenommener und zugeschriebener Rolle stehen in bewusst gewählter, kontrastierender und zugleich produktiver Beziehung zum Thema von Vot ken you mach?.

James Muriuki (*in 1977 in Nairobi, Kenia) lebt und arbeitet in Nairobi.

    Kenyan Pyramids / Kenijskie Piramidy 2011 Installation aus 2 Leuchtkästen / Video (11:30 min.)
    Dawid Marsewski (left side): ›Warm-up‹, 2014, video, 4:11. Karolina Freino (right side): ›Walls and Sandpits‹, 2007, Installation. Photo: Małgorzata Kujda
    Karolina Freino: ›Walls and Sandpits / Murki i Piaskownice‹, 2007, intervention in a public sphere of printed media in Szczecin. Photo: Photo: Małgorzata Kujda