Joann Sfar

Der 1971 in Nizza geborene Joann Sfar hat zunächst Philosophie und danach Kunst studiert, und in nur wenigen Jahren ein kaum mehr überschaubares Werk veröffentlicht, das eines verbindet: die intensive Auseinandersetzung mit historischen jüdischen Lebensweisen in Osteuropa und deren konsequenterweise hybride Vermengung mit einer gegenwärtigen Fassung jüdischer Identitäten und – dies ist vielleicht am wichtigsten – eines utopischen Möglichkeitsraumes dessen, was eine solche nicht an Territorien gebundene Identität sein könnte – Luftmenschen im besten Sinne!

Sfars Comics sind bevölkert von Golems, Dibbuks und anderen Figuren der jüdischen Tradition. Neben Porträts jüdischer Künstler wie Chagall oder Pascin, hat er sich in KLEZMER dem osteuropäischen und in DIE KATZE DES RABBINERS dem nordafrikanischen Judentum angenähert. Diese beiden Perspektiven bestimmen auch die Biographie Sfars: die eine Hälfte seiner Familie stammt aus der heutigen Ukraine, während der andere Teil einen nordafrikanischen Hintergrund hat.

Insbesondere die Comicgeschichte DIE KATZE DES RABBINERS um eine sprechende Katze, die sich mit dem Rabbi über religiöse und philosophische Fragen streitet, begründete seinen Ruf, einer der innovativsten und spannendsten französischen Comiczeichner seiner Generation zu sein – und einer der erfolgreichsten: Die Alben haben sich in Frankreich weit über eine Million Mal verkauft und auch die von Sfar selber realisierte Kinoversion fand ein großes Publikum. In Deutschland ist Joann Sfars Werk, das sich durch alle Genres und Stile bewegt, noch zu entdecken: zwischen Phantastischer Literatur und Philosophie, Geschichtscomic und surrealen Welten, Kindercomics und Vampirgeschichten, Aquarelltönen und kargem schwarz-weiß, mit schnellen Strichen gezeichneten Seiten und detailreichen Porträts gibt es kaum etwas, das Sfar nicht beherrscht.